
Goldfisch©Wikimedia Commons
Die Artenvielfalt der Fische ist beachtlich, ob in Süss- oder Salzwasser, ob Knochen- oder Knorpelfische, ob furchterregende Haie oder ihrer vitalen Existenz beraubte, stumpf im Aquarium ihre Nase gegen die Glaswand drückende Goldfische.
Nicht ganz so vielfältig ist die Zahl ihrer ihnen in Zuneigung verbundenen industriellen oder hobbymässigen Fänger, ob zu Versorgung der menschlichen Art oder auch, so manchem Fisch nach dem Fang wieder die Freiheit gebend, aus Freude am kontemplativen Angeln. Der uralte Beruf geriet jedenfalls zum Namensgeber einer beachtlichen Zahl von prominenten Menschen.
Der Humanist Ernst etwa, aus bürgerlicher Familie stammend, nach der Niederlage der Sozialdemokratie 1934 in die KPÖ wechselnd, während des Zweiten Weltkriegs im sowjetischen Exil lebend, nach dem Krieg Unterrichtsminister, begriff Kunst als eine wesentliche Ausdrucksform menschlicher Freiheit und wurde konsequenterweise nach der sowjetischen Invasion in der Tschechoslowakei aus der KPÖ ausgeschlossen.
Oder der deutsche Chemiker Ernst Otto, Inhaber eines Lehrstuhls für anorganische Chemie an der Technischen Hochschule München, der 1973 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichet wurde.
Heinz indessen, Nationalratspräsident, Wissenschaftsminister, Bundespräsident von 2004 bis 2016, ein stets auf Ausgleich bedachter, weltoffener Europäer.
Der exzentrische US-Amerikaner Robert „Bobby“, Schachgrossmeister, von 1972 bis 1975 Weltmeister, eines der grössten Genies der Schachgeschichte, wegen antiamerikanischer Aussagen und eines inoffiziellen Matches gegen Boris Spassky 1992 mit Sanktionen und einem Verfahren bedacht, wurde schliesslich isländischer Staatsbürger und lebte bis zu seinem Tod in Reykjavik.
Helene, Popstar, begeistert ihre Fangemeinde nicht nur mit ihren Schlagern, sondern hält die deutsche Kulturnation mit dem Gerücht in Atem, wer wohl der Vater ihres zweiten Kindes sei.
Und da war doch noch Joseph, liebevoll „Joschka“ genannt, Ministrant, Pazifist, Teil der Frankfurter Studentenbewegung, Mitglied der Gruppe Revolutionärer Kampf, nach etwas gewalttätigen Strassenschlachten mit der Polizei und nach der Ermordung Hanns Martin Schleyers zum Demokraten gereift, kommt er über die Umwelt- und Friedensbewegung zu den Grünen und wird erster grüner Minister in Hessen für Umwelt und Energie.
1999 führte er als Aussenminister der Regierung Schröder Deutschland während der Kosovokrise im Rahmen eines NATO-Einsatzes in den ersten (völkerrechtswidrigen) Kampfeinsatz der Bundeswehr seit 1945 und hielt so das beinahe in Vergessenheit geratene Friedenswerk der Deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs in Erinnerung.
Von Angehörigen der Friedensbewegung als Kriegsverbrecher bezeichnet, was das Oberverwaltungsgericht Berlin aber als schweren Angriff auf die persönliche Ehre qualifizierte, zog er sich schliesslich 2006 aus der Politik zurück und begab sich als Berater in den lukrativeren Dunstkreis der Stiftungen von George Soros und Madeleine Albright.
Neuerdings als ubiquitärer Interpret der neuen Weltlage für diverse liberale Medien wie dem Tagesspiegel und manchmal auch seinem österreichischen boulevardesken Klon standardmässig unterwegs, erklärt der gewaltbefreite und seinerzeit wegen Kurzsichtigkeit vom Wehrdienst ausgemusterte Pazifist mit der drohenden Ankündigung seines neuen Buches glatt „Als junger Mensch würde ich mich freiwillig zum Wehrdienst melden“. (Tagesspiegel, 2026-01-29) Da haben selbst die Pflastersteine in Frankfurt wendehalsig gelacht.
Aber logisch, die Zeit sei eine andere, wir würden bedroht und müssten uns verteidigen, weshalb es eine atomare Bewaffnung brauche, aber keine deutsche, denn das würde Deutschland grossen Ärger bringen, womit der hellsichtige Stratege nicht ganz unrecht hat. Also zumindest eine blaue Bombe mit zwölf goldenen Sternen drauf. Klar ist, Europa müsse zur Macht werden, weil nur durch Stärke und Abschreckung gewährleistet sei, dass ein aggressionsbereiter Nachbar abgehalten werde, es zu überfallen, meinte der deutsche Aufrüstungsexperte treuherzig.
Da muss der Goldfisch nicht besorgt sein. Wir Ösis wollen euch gar nicht überfallen, fällt uns gar nicht ein. Da gibt es nichts zu holen ausser Milliardenschulden vom Ukraine-Krieg. Ausserdem bindet uns Artikel 4 des Staatsvertrags mit seinem Anschlussverbot. Wir dürfen euch gar nicht anschliessen. Ausser der Joschka findet wieder eine neue Exegese des Völkerrechts.