ICE

Die NATO-Expedition ICE nach der Ankunft auf Grönland in der Ebene vor der Hauptstadt Nuuk. In der Mitte der englische Premier Keir Starmer im englischen Waffenhemd mit dem Georgs-Kreuz, der zwar nicht Teil der Expedition ist, aber unbedingt am Bild sein wollte, was heftige Diskussionen wegen des nationalistischen Affronts auslöste. Links von ihm mit gezücktem Schwert in martialischer Pose der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, dessen stattliche Grösse in der arktischen Kälte geschrumpft erscheint. Rechts im Bild die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen als Standartenträgerin im dänischen Waffenhemd.

Das Akronym ICE wird zwar landläufig eher für die schnellen deutschen Züge gebraucht, bevor diese durch zahlreiche Ausfälle und Verspätungen ihren Nimbus etwas eingebüsst und metaphorisch gesehen bloss noch die Schlusslaternen der japanischen und chinesischen Bullet Trains gesehen hatten.

Gegenwärtig ist jedoch ICE, die United States Immigration and Customs Enforcement, also die grösste US-amerikanische Polizei- und Zollbehörde, in aller Munde wegen deren Razzien gegen verdächtige Einwanderer und ihres unkomplizierten und wenig skrupulösen Umgangs mit Schusswaffen, der schon mal zum Tod von gefährlichen Personen führen kann, auch wenn sie Frauen und weiss sind.

Richtig grimmig wird die Sache jedoch, wenn es sich um das 3000 Meter dicke ICE Grönlands handelt, das im Licht der Sonne gleissend die zahlreichen seltenen Erden und Rohstoffe des wenig zugänglichen Landes verbirgt samt der Begehrlichkeit des amerikanischen Nachbarn auf sein Territorium.

Schon im Vorjahr hatte der dänische König leicht gereizt auf die Avancen des US-Präsidenten reagiert, zumal der grönländische Fussballverband um die Aufnahme in den nordamerikanischen Fussballverband gebeten hatte, nachdem man bei der europäischen UEFA abgeblitzt war, und umgehend sein Wappen geändert und einen Eisbären für Grönland und einen Widder für die Faröer-Inseln integriert, um die dänischen Ansprüche auf Grönland klarzustellen. Hatte doch bereits wenige Tage nach seiner Amtseinführung Präsident Trump mit der dänischen Ministerpräsidentin Frederiksen in einem Telefonat über Grönland gesprochen, ein Gespräch, das angeblich „schrecklich“ verlaufen sei (ORF.at 2025-01-29).

Inzwischen haben sich die Gemüter nicht beruhigt, ganz im Gegenteil.

Zwar gibt es mittlerweile sowohl im US-Senat als auch im Repräsentantenhaus einen überparteilichen Gesetzesentwurf, der sich klar gegen die Annexion Grönlands ausspricht, ungeachtet dessen ist die europäische Wertegemeinschaft ganz aus dem Häuschen. „Wenn ein NATO-Land ein anderes angreife, dann höre sich alles auf“, wird die dänische Ministerpräsidentin zitiert (ORF.at, 2026-01-14). Und Frankreich eröffnet sogar ein Konsulat auf Grönland als Zeichen gegen die Ansprüche der USA.

Die stürmische Überfahrt der Helden auf dem Flugzeugträger ICE über den Atlantik ©OpenAI

Der ungewöhnliche Fall, dass ein NATO-Land ein anderes angreift, wofür es auch einen einstimmigen Beschluss aller NATO-Staaten braucht, ist im Bündnis bisher nicht vorgekommen. Daher entsenden einzelne NATO-Länder wie Deutschland und Frankreich sowie skandinavische Staaten vorläufig bloss einige Soldaten nach Grönland, weil Grenzen nach der Doktrin des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Scholz nicht verschoben werden dürfen, auch wenn sich die USA darauf berufen, dass Grönland auf dem amerikanischen Festlandsockel liegt. 

Kaum wurde der Bitte Dänemarks nach der Entsendung von NATO-Soldaten entsprochen, droht der Allianz ausgerechnet von deutscher Seite Ungemach, als der bayrische Ministerpräsident Söder bei einer Klausurtagung seiner CSU Grenzverschiebungen zwecks Zusammenlegung deutscher Bundesländer zu grösseren Einheiten, Franken hingegen gar den Austritt aus Bayern fordert, was historisch gesehen nach der Teilung des fränkischen Reiches im Vertrag von Verdun 843 und der brutalen Schlacht von Verdun im Ersten Weltkrieg einer gewissen Ironie nicht entbehrt. 

Angebote der österreichischen Aussenministerin und ihrer Expert*innen zwecks Klärung der komplizierten völkerrechtlichen Lage wurden von der regelbasierten Wertegemeinschaft mit Hinweis auf die zu enge Beziehung zu den Habsburgern und deren bayrischer Verwandtschaft jedoch abgelehnt.

Da hört sich doch alles auf!