
Nestroy heisst der Theater-Preis der Stadt Wien, mit dem seit mittlerweile einem Vierteljahrhundert herausragende Leistungen in verschiedenen Kategorien wie Schauspieler*in, Regie, Ausstattung, Aufführung, Autor*innen etc. gewürdigt werden.
Benannt nach dem grossen österreichischen Dramatiker, genialen Schauspieler und Sprachkünstler, dem Meister der Parodie und Menschenbeobachtung, dem illusionslosen Kritiker des Spiessbürgertums und der Heuchelei, dem klarsichtigen Analytiker der Freiheit in Krähwinkel, erweist der Preis zu Recht nicht nur dem Namenspatron, sondern allen Preisträger*innen die gebührende Wertschätzung.
Noch keine Würdigung mit dem begehrten Preis für Darstellende Kunst haben bisher Protagonist*innen aus dem Bereich der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften erfahren, obwohl deren komödiantische Leistungen dem grossen Schauspieler und Dramatiker Nestroy bisweilen ebenbürtig sind.
So wusste beispielsweise das Arbeitsmarktservice (AMS) zu berichten, dass insbesonders die Langzeitarbeitslosigkeit neben jener von Frauen und jungen Menschen stark angestiegen und „besorgniserregend“ sei, wobei der massgebliche Faktor der Bildungsabschluss sei, der Menschen mit einem formal niedrigen Bildungsabschluss besonders gefährde.
In diese Debatte klinken sich dann standardmässig die Sozialpartner ein und fordern je nach Interessenslage eine stärkere Förderung der Kompetenzen von Menschen mit geringer formaler Bildung, mehr Eigenverantwortung der Betriebe für die Ausbildung ihrer Fachkräfte oder den Klassiker von der Senkung der hohen Lohnnebenkosten.
In der Tat ist die Arbeitslosigkeit mittlerweile sehr hoch und bewegt sich in den lichten Höhen der Arbeitslosenrate der Nachkriegszeit in den frühen 50-er Jahren des vorigen Jahrhunderts, was die angestrengten Bemühungen um formal höhere Bildungsabschlüsse und eine grössere Durchlässigkeit des Bildungssystems in ein etwas blamables Verhältnis setzt. Insofern wäre es auch sehr ungerecht, die Schuld für die Arbeitslosigkeit den Arbeitslosen zuzuweisen, insbesonders jenen mit den prekären Bildungsabschlüssen.
Mehr lohnen ein Blick auf die Realpolitik der Divina Commedia und ihrer erratischen Schauspieler*innen in der Bundesregierung und deren biegsamer ökonomischen Berater*innen zu unseligen Corona-Zeiten, um die angestrengte Budgetsituation und die maue Wirtschaftslage zu begreifen, und ein Auge auf die 800 Milliarden Euro, die sich die Europäische Kommission den „Wiederaufbau“ Europas (!) im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfaziliät kosten liess, deren ökonomische Nachhaltigkeit nicht einmal der Europäische Rechnungshof nachvollziehen kann.
Nicht zu vergessen die Kriegsflüsterer der zwar irrelevanten, aber nichtsdestoweniger einen stimulierenden Einfluss auf die Kriegspolitik der Europäischen Kommission ausübenden österreichischen „Ökonomen für Sanktionen“.
Mit dem Nestroy für die politökonomischen Sternedeuter*innen wird es wohl nichts werden, aber Reflexion mildert den Schmerz.
“Lasciate ogni speranza, voi ch`entrate.” Die Hölle steht euch offen. „Lasst, die ihr eingeht, alle Hoffnung fahren.“ (Dante, Inf. III.)