Der Ballon

Schon seit Jahrhunderten beschäftigen unerklärbare Himmelsphänomene und mysteriöse Flugobjekte, für die sich im 20. Jahrhundert die Bezeichnung UFO (Unidentified Flying Object) eingebürgert hat, Menschen und Geheimdienste und sind Anlass für allerlei Spekulationen.

Der eher seltene Glücksfall eines von vornherein sofort identifizierten UFOs absorbierte jüngst die gesamte Medienöffentlichkeit in Gestalt eines chinesischen Spionageballons. Die beachtlich rasche Aufklärungstätigkeit verdankt sich der Tatsache, dass China offensichtlich das Pentagon davon informiert hatte, dass es sich beim UFO um einen Forschungsballon handle, der vom Kurs abgekommen sei.

Nichtsdestoweniger quittierte der omnipotente Hegemon höchstpersönlich die Verletzung seines Luftraums mit dem Abschuss des Überwachungsballons mittels von US-Kampfflugzeugen abgeschossenen Lenkwaffen, worauf das fragile Gefährt sein Helium aushauchte und zu Tode getroffen zu Boden stürzte. Umgehend sagte nicht nur der amerikanische Aussenminister seinen angeblich geplanten Besuch Chinas ab, sondern setzten die USA auch sechs chinesische Technologieunternehmen auf die Sanktionsliste.

Dem ersten Ballon sollten weitere folgen sehr zur Freude des kanadischen Präsidenten, der emsig zu zwitschern wusste, dass er nach Rücksprache mit dem grösseren Bruder in Washington den Abschuss eines nicht identifizierten zylindrischen Objekts mittels der phallischen Pfeile von US-Kampfflugzeugen des Typs F-22 angeordnet habe.

Dem zylindrischen Objekt sollte eines mit einer achteckigen Struktur folgen, das ebenso auf persönlichen Befehl des US-Präsidenten über dem Huronsee vom Himmel geholt wurde, wobei dem Geständnis des US-Generalstabchefs, dass die erste Rakete ihr Ziel verfehlt habe, was bei einem derart grossen und langsam fliegenden Objekt doch erstaunlich ist, die kalmierende Mitteilung des Präsidenten folgte, wonach es sich bei drei der rätselhaften Flugobjekte höchstwahrscheinlich um Objekte privater Forschungseinrichtungen und keine Spionageballons gehandelt habe. Nichtsdestoweniger würde man auch künftighin Flugobjekte abschiessen, die eine Gefährdung für die USA darstellen könnten. So gesehen war es ein grosses Glück, dass ein bemannter schwedischer Spionageballon mit Pippi Langstrumpf an Bord nicht ins Radar der amerikanischen Flugüberwachung geriet. 

Der amtsmüde NATO-Generalsekretär gab indessen bekannt, nach dem Auslaufen seines Mandats im Herbst nicht mehr das Amt des Präsidenten der Norges Bank anzustreben, sondern lieber CEO des chinesischen Ballonproduzenten Zhuzhou Rubber Research & Design werden zu wollen.