Autor: Walter Posch

Die Brücke

Nach der Ballade von Theodor Fontane „Die Brück´am Tay“ „Wann treffen wir drei wieder zusamm‘?“ „Um die siebente Stund‘, am Brückendamm.“ „Am Mittelpfeiler.“ „Ich lösch die Flamm‘.“ „Ich mit.“ „Ich komme vom Norden her.“ „Und ich vom Süden.“ „Und ich vom Meer.“  „Hei, das gibt ein Ringelreihn, und die Brücke muß in den Grund hinein.“ „Und der Zug, der in die Brücke tritt um die siebente Stund‘?“ „Ei, der muß mit.“ „Muß mit.“ „Tand, Tand ist das Gebild von Menschenhand.“  Das Werk der drei Hexen umzusetzen, liess sich der…

Der Sieg

Angriff ist die beste Verteidigung, weiss der NATO-Generalsekretär Stoltenberg, ein Zitat illustrierend, das schon Clausewitz zugeschrieben wurde. Anlässlich der 75-Jahrfeier der NATO Anfang April dieses Jahres hatte der Norsker schon avisiert, die militärische Unterstützung für die Ukraine auf neue Beine zu stellen und „Hilfsgelder“ von 100 Milliarden Euro unter dem Dach der NATO zu organisieren, was bei den Bündnispartnern mit Ausnahme Polens und der baltischen Staaten doch einigen „Schluckauf“ verursachte. Aber die Lage sei ernst,…

Der Kandidat

„Österreich zuerst“ nannte sich das Ausländer-Volksbegehren der FPÖ von 1993 zwecks Reinigung des Volkskörpers von illegalen Ausländern und den Missbrauch von Sozialleistungen mittels allerlei xenophober Rezepturen, was ein Lichtermeer von Hundertausenden evozierte, die die simple Weltsicht nicht teilen mochten, darunter auch viele Sozialdemokrat*innen. „America first“ tönte ein US-Präsident anlässlich seiner Amtseinführung 2017, auf Paradigmen amerikanischen Nationalismus zurückgreifend, die zuvor schon von US-Sympathisanten des Nationalsozialismus wie Randolph Hearst oder dem rassistischen Ku Klux Klan geteilt wurden,…

Leidkultur

Nichts eignet Krisenzeiten besser als Identitätsfragen und Bedrohungsszenarien. Das wusste schon ein ehemaliger Klubobmann der ÖVP und Nationalratspräsident, der folgerichtig Bedrohungen der österreichischen Identität durch das Infragestellen der österreichischen Bundesregierung Anfang der 2000er Jahre stets mit dem Tragen einer rot-weiss-roten Krawatte beantwortete. Auch der Spitzenkandidat einer relativ unbedeutenden Kleinpartei für die EU-Wahl 2024 wusste neulich rot-weiss-rot krawattiert in der Pressestunde des ORF nicht nur zu berichten, dass der russische Präsident einen „massiven hybriden Krieg gegen…

Böse Buben

Den einen kennt man. Den anderen muss man nicht, sollte man aber kennen. Es zeigt den belgischen Ministerpräsidenten und nunmehrigen EU-Ratspräsidenten Charles Michel in entspannter Atmosphäre mit dem russischen Präsidenten Putin im Januar 2018, also vier Jahre nach der völkerrechtlich umstrittenen Annexion der Krim, nachdem die mehrheitlich russische Bevölkerung der Krim in einem Referendum für einen Anschluss an Russland gestimmt hatte, und vier Jahre vor der russischen Invasion in die Ukraine, als die EU-Kommission schon…

Stultitia et Pax 

„Es ist ein Krieg, und einen Krieg führt man zu zweit und nicht allein…Früher oder später, das lehre auch die Geschichte, müsse es letztlich zu einer Einigung kommen…Dies gelte auch für den Krieg in der Ukraine, wo Stimmen lauter werden, den Mut für ein Hissen der Weissen Fahne aufzubringen, während andere darin eine Legitimierung des Stärkeren sehen…Aber ich denke, dass der stärker ist, der die Situation erkennt, der an das Volk denkt und den Mut…

Pax Americana

„Wenn die Gasversorger am liberalisierten Gasmarkt nicht aus eigenen Stücken tätig werden, dann braucht es gesetzliche Verpflichtungen,“ sagte jüngst Ministerin Gewessler laut APA, die darin ein „Marktversagen“ sieht. Über diese profunde Marktanalyse haben angeblich sogar die grünen Ökonomen in Kanzleramt und Präsidentschaftskanzlei herzlich gelacht. Nichtsdestoweniger plant die russophobe Infrastrukturministerin den Ausstieg aus den Verträgen mit Russland, um die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu beenden, wofür es allerdings eine Verfassungsmehrheit im Parlament bräuchte, abgesehen davon, dass…

Des bösen Virus Ende

Das grösste Problem sei gewesen, „dass wir zu Beginn wie alle in Europa schlecht vorbereitet waren“, obwohl es schon seit Jahren Warnungen von Fachleuten gegeben habe, gestand der ehemalige Gesundheitsminister zum Bericht „Nach Corona“ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften“. Das treuherzige Schuldeingeständnis ist ein wenig leichtsinnig, nachdem die Gefährdung der körperlichen Sicherheit nach § 89 StGB mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Monaten bedroht ist, wiewohl kollektive institutionelle Verantwortungslosigkeit eine solche Massnahme sehr unwahrscheinlich macht.…

Die Lösung

Seit die EU-Nomenklatura Gefallen an kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa gefunden hat, wächst auch das Verständnis für die Lösung komplexer Konflikte, insofern diese nicht den eigenen Wirkungsbereich betreffen. Nur aus der räumlichen Distanz gewinnen jahrzehntelange, schier unlösbare Kalamitäten eine klare Kontur und generieren eindeutige Handlungsmuster für Friedenslösungen wie am Beispiel des in seiner Einfachheit bestechenden Friedensplanes der Europäischen Union für den Nahen Osten. Das Unbeschreibliche, hier ist es getan…

Futterfragen

Das neue Jahr begann, wie das alte geendet hatte.  Statt buntem Silvesterfeuerwerk Explosionen von Kampfdrohnen und Raketen in den Städten der Ukraine mit zahlreichen Toten und Verletzten.  Statt Beendigung des Krieges weitere militärische „Hilfspakete“, Marschflugkörper und Artilleriemunition. Er wolle sein Land unter die zehn grössten Rüstungsproduzenten der Welt führen, sagte der Präsident. Das klingt sehr ambitioniert, hatten doch die Militärausgaben mit 44 Milliarden US-Dollar bereits 2022 ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts bzw. des gesamten Staatshaushaltes erreicht,…